Geschichte

„Das Lied ist aus“ – Henny Brenner im Zeitzeugengespräch

Henny Brenner am Gymnasium Puchheim
Die Zeitzeugin Frau Henny Brenner
Zeitzeugengespräch
Lea Putz, Miriam Roller, Frau Brenner, Alexander Rotter im Gespräch

„Wenn uns Überlebende ihre Geschichte erzählen, dann übernehmen wir eine Verantwortung – dafür, dass wir die Erinnerungen an die erlebte Katastrophe aufrecht erhalten und sie anerkennen. Damit schützen wir auch die Überlebenden“ (Mihran Dabag)

Für Henny Brenner, einer Jüdin, die ihre Kinder- und Jugendzeit in Dresden verbrachte, war das Lied trotz Repressionen, Zwangsarbeit und Deportationsbefehl glücklicherweise nicht aus. Von den alltäglichen Katastrophen sowie den überlebensnotwendigen Hoffnungen während der NS-Zeit in Dresden erzählte Henny Brenner (geb. 1924) am 19.01.2017 der gesamten Q 11 und lud die Zuhörer zu einem intensiven Gespräch ein. So berichtete sie über ihre bürgerliche Herkunft, dem Kino des Vaters, in dem der Film „Das Lied ist aus“ lief, sowie ihren Schuljahren. Hier erfuhr sie am eigenen Leib, was Ausgrenzung und Rassenwahn bedeutete. Ein Besuch öffentlicher Schulen war nicht mehr möglich, am öffentlichen Leben durften Juden nicht mehr teilnehmen. Ausgrenzung beginnt im Kleinen. „Seid wachsam!“, mahnte Frau Brenner die Zuhörer, „Demokratie ist verwundbar, sie ist keine Selbstverständlichkeit“, und erinnerte an aktuelle politische sowie gesellschaftliche Entwicklungen.

Eindringlich schilderte Frau Brenner ihr Leben als jugendliche Zwangsarbeiterin im Zeiss-Ikon Werk, das sie täglich zu Fuß in schlechter Kleidung und unter Demütigungen ansteuern musste. Aber sie erinnerte auch an kleine unterstützende Gesten und Taten von Mitbürgen, sei es durch die hoffnungsvoll unterstützenden Worte „Durchhalten, ihr schafft das“ oder durch das Zustecken einer nicht entwerteten Lebensmittelkarte. „Alle, alle hätten so handeln müssen!“, so Henny Brenner. Dass Henny Brenner mit dem Deportationsbefehl in der Hand den NS-Terror überlebte, verdankte sie der Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945. Mit im Schuh verstecktem Judenstern konnte sie fliehen, sich verstecken und wurde schließlich von russischen Truppen befreit.

Viele Fragen der Schüler bezogen sich dann auch auf die Zeit nach dem Krieg in der DDR, die Henny Brenner durch Flucht 1952 verließ, um in der BRD Fuß zu fassen. „Ich bin von einer Diktatur in die andere geraten“, deswegen habe sie der DDR den Rücken gekehrt.

Lange noch hätten wir dieses spannende, lebendige Zeitzeugengespräch weiterführen können, das engagiert von Miriam Roller und Lea Putz (beide Q 11) mitmoderiert wurde. Vielen Dank an die beiden Schülerinnen, die das Gespräch gezielt mitgestalteten. Die rege Beteiligung der Schülerinnen und Schüler zeigt, dass Zeitzeugengespräche wichtige Brücken zwischen Generationen schlagen können.

Unser herzlicher Dank gilt Frau Wiecki, die das Zustandekommen des Gesprächs initiierte und maßgeblich unterstützte.

Liebe Frau Brenner! Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben und keine Mühen gescheut haben, dass wir als Zuhörer gesellschaftliche Verantwortung übernehmen können. Wir werden die Erinnerung aufrecht erhalten!

Alexander Rotter (Fachschaft Geschichte)

„Gefangen in Puchheim“ – Die Ausstellung im Gymnasium Puchheim
(Oktober 2014 – Februar 2015)

Ausstellung Kriegsgefangenenlager Puchheim
Ausstellung2014Kriegsgefangenenlager
MdB Gerda Hasselfeldt besucht die Ausstellung
Ausstellung2014Kriegsgefangenenlager
Schüler führen Schüler
Ausstellung2014Kriegsgefangenenlager
Schüler führen Schüler
Ausstellung2014Kriegsgefangenenlager

Was hat unsere Schule mit dem 1. Weltkrieg zu tun? Nichts, möchte man meinen, wenn man auf der Bürgermeister-Ertl-Straße zur Schule fährt, den Pausenhof überquert und die Aula betritt. Genau dann aber betreten wir historischen Boden, der tatsächlich auch geprägt wurde von den Geschehnissen des 1. Weltkrieges, der vor 100 Jahren vom Zaun gebrochen wurde und Europa nahe an den Abgrund führte.

Diesen historischen Boden „beackerte“ Herr Hage, der Macher der Ausstellung „Gefangen in Puchheim“, die vom Oktober 2014 bis Ende Februar 2015 im ersten Stock der Schule zu sehen war, nachdem sie zuvor im PUC zu bestaunen war. Dabei brachte er erstaunliche Fakten und Materialien zutage, die die Rolle Puchheims in den Jahren 1914 – 1921 beleuchten. Der Grund und Boden, auf dem unsere Schule steht, war Teil eines großen Kriegsgefangenenlagers, in dem zeitweise bis zu 16000 russische und französische Soldaten untergebracht waren und verwaltet wurden. Vor der Errichtung des Lagers befand sich auf dem gleichen Gelände das sogenannte „Flugfeld Puchheim“, auf dem die Flugpioniere ihre ersten Kreise zogen. Dieses wurde dann aus Geldnöten 1914 an den bayerischen Staat verkauft und zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert und ausgebaut.

Die Ausstellung zeigt viele Facetten des Alltagslebens im Lager, aber auch in lagerfernen Einsatzorten, an den die Kriegsgefangenen Arbeit leisten mussten. Dass sie hierfür mit eigens geprägtem Lagergeld bezahlt und der Haager Landkriegsordnung entsprechend ordentlich (will heißen menschlich) behandelt und versorgt wurden, belegen die vielen Photographien und Akten (Lagerbefehle, Berichte etc.). Der erste Weltkrieg war eben kein ideologisch geprägter Vernichtungskrieg wie der 2. Weltkrieg, in dem millionenfacher Mord tobte.

Mit Hilfe der Ausstellung konnte Lokalgeschichte erlebbar gemacht werden. So bot es sich an, in Vertretungsstunden einen Blick auf die Rollups zu werfen oder mit der eigenen Klasse die Ausstellung zu besuchen.

Besonders interessant im Rahmen der Ausstellung war das Projekt „Schüler führen Schüler“. Schülerinnen und Schüler aus der Q11, der jetzigen Q12 (Hannah Lehmann, Marina Katschi, Ramona Friemel, Toska Wiedemann, Nicolai Zahoransky und Tobias Schulze) beschäftigten sich intensiv mit dem Thema und der Ausstellung. Nach einem ausführlichen „Briefing“ durch Herrn Hage vor Ort betreuten und führten diese verschiedenste Schülerklassen durch die Ausstellung im PUC. Es zeigte sich hierbei eine sehr große Akzeptanz seitens der Schülerinnen und Schüler der Besuchergruppen. Beide Seiten, die Besucher sowie die Führer, konnten dabei viele Erkenntnisse mitnehmen. Das Angebot „Schüler führen Schüler“ wurde auch bei uns in der Schule angeboten und angenommen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Beteiligten!

Der Dank geht auch an Herrn Hage sowie an den Kulturamtsleiter Herrn Kaller vom Puchheimer Kulturcentrum, die es ermöglicht haben, die Ausstellung in der Schule zeigen zu können.

Wir hoffen, weitere interessante Ausstellungen zur Puchheimer Geschichte in die Schule bringen zu können.

Alexander Rotter für die Fachschaft Geschichte